Schawuot: Das Fest der geistigen Freiheit

Schawuot: Das Fest der geistigen Freiheit

Wer Pessach feiert, sollte auch Schawuot feiern. Beide Feste ergänzen einander und symbolisieren die Verbindung von körperlicher und geistiger Freiheit. Das Zählen der 49 Tage zwischen den Festen führt uns zu einem Höhepunkt, einer Freiheit, die zu Pessach beginnt und zu Schawuot ihren Abschluss findet. Die Tora und ihre tägliche Annahme sind der Grundstein für die Befreiung aus der Sklaverei. An Schawuot vollenden wir unsere geistige Freiheit mit der Übergabe der Tora.

Das Erbe unserer Vorfahren

Nach der Befreiung wurden in den DP-Camps Schulen errichtet und Familien gegründet. Unsere Eltern und Großeltern haben trotz Unterdrückung und Tod Bildung und ein neues Leben aufgebaut. Diese Generation hat am Sinai eine ähnliche Erfahrung gemacht wie keine Generation zuvor. Sie haben den tiefen Fall erlebt und wurden gerettet, um ein neues Leben zu beginnen. Ihr Glaube an eine bessere Zukunft hat sie dazu befähigt. Die Tora wurde zu ihnen gebracht, auch zu den Kindern unter ihnen. Und nun sind wir ihre Nachkommen.

Eine einzigartige Bedeutung

Die Vision, dass ganz Israel bei der Übergabe der Tora versammelt ist, hat für uns, die Nachkommen der Überlebenden, eine unmittelbare, existenzielle und persönliche Bedeutung. Die jüdische Gemeinschaft nach dem Krieg wurde in den DP-Camps von Flüchtlingen gegründet, die nichts hatten außer dem nackten Leben und dem Glauben an eine bessere Welt. Dieser Glaube ist religiös begründet und tief im jüdischen Bewusstsein verankert. Das Judentum ist ein Phänomen, das Bewunderung hervorruft.

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Die Herausforderung des Antisemitismus

Leider gibt es immer wieder Versuche, das Wort Gottes herabzusetzen. Aktuell geschieht dies sogar durch christliche Theologen, die anscheinend nicht wissen, was sie tun. Andere Christen stellen sich diesem Trend tapfer entgegen und weisen auf die judenfeindliche Tradition hin, die dadurch genährt wird. Es ist beunruhigend zu beobachten, wie einige Theologen zu Mitläufern eines zunehmenden Antisemitismus werden.

Pfingsten und Schawuot

Die Diskussion um die Abschaffung von Pfingsten als gesetzlichem Feiertag scheint in diese Gemengelage hineinzuspielen. Doch Pfingsten ist wie alle christlichen Hauptfeste eine Entsprechung zu einem jüdischen Fest: Schawuot! Das Alte Testament im Christentum abzuwerten, bedeutet auch, die christlichen Hauptfeste abzuwerten. Das ganze Christentum wird dadurch abgewertet.

Das Alte Testament und die Tora

Juden und Christen werden durch eine gemeinsame Schrift getrennt: Das Alte Testament ist genauso christlich wie das Neue Testament. Die Tora ist jüdisch und keine Art Testament, sondern eine Weisung. Die Übergabe der Weisung zu Schawuot entspricht im Christentum der Aussendung des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Es kann kein Christentum ohne Pfingsten und Heiligen Geist geben, genauso wenig wie kein Judentum ohne Schawuot und Tora.

Uns bleibt die Tora

Als Juden bleibt uns die Tora. Deshalb sollten wir Schawuot feiern, auch wenn es nur mit einem Joghurt ist. Noch besser wäre es, etwas Honig hinzuzufügen, denn “Honig und Milch sind unter deiner Zunge” (Hohelied 4,11). Diese Worte beziehen sich auf jeden, der es verdient, die Tora anzunehmen – also auf uns alle.

Bildquelle: Jüdische Allgemeine