Mühldorf Camp: Ein Blick hinter die Kulissen

Mühldorf Camp: Ein Blick hinter die Kulissen

Die Geschichte des Mühldorf Camps ist eine dunkle Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Das sogenannte Jägerstab (Kämpferstab) wurde im März 1944 gegründet, um die Produktion von Jagdflugzeugen aufrechtzuerhalten und zu steigern. Das Ziel war es, bombensichere Produktionsstätten zu etablieren. Organisation Todt (OT), ein Teil des Rüstungsministeriums, wurde beauftragt, halbunterirdische Betonbunker mit einer Produktionsfläche von mehreren hunderttausend Quadratmetern zu bauen. Vier Bunker waren geplant, von denen jedoch nur zwei fertiggestellt wurden. Einer dieser Bunker befand sich in Mühldorf am Inn in Oberbayern.

Die konstruktiven Herausforderungen

Der Bau der Bunker war eine technische Meisterleistung. Durch den Einsatz von vorgefertigten Betonteilen wurden zunächst Tunnel konstruiert, durch die Gleise gelegt wurden. Über den Tunneln aus Beton wurde eine Kieswand errichtet, über die Beton gegossen wurde. Nachdem Verstärkungen in den Beton eingefügt wurden, folgte eine weitere Betonschicht. Nach einer Woche hatte der Beton ausreichend ausgehärtet, sodass der Kies durch die Tunnel entfernt werden konnte. Die Eisenbahnwaggons wurden durch Klappen im Tunneldach mit Kies befüllt. Dieses System hatte den Vorteil, dass der Kies erneut für Betonarbeiten oder den Bau einer weiteren Kieswand verwendet werden konnte.

Das Leid der Gefangenen

Die Gefangenen waren hauptsächlich mit Bauarbeiten beschäftigt. Sie mussten den per LKW oder Eisenbahn gelieferten Zement entladen, in den Lagerhäusern in der Nähe der Baustellen transportieren und später die 50 Kilogramm schweren Säcke zu den Betonmischern bringen. Außerdem waren sie für die Verlegung der Gleise auf der Baustelle und die Herstellung von vorgefertigten Betonteilen zuständig.

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Die Lebensbedingungen in den Mühldorf Sublagern waren katastrophal. Die Unterkünfte bestanden aus Brettern mit einer Schicht Stroh und einem Ofen. Im Winter fehlte es an Brennholz oder anderem Brennstoff, und Regen und Schnee drangen durch die Dächer der Erdhütten. Es gab keine Toiletten oder Wascheinrichtungen an den Baustellen. Nur während einer Typhus-Epidemie wurde auf Anordnung des OT-Bauleiters eine Toilette an der Baustelle “Weingut I” errichtet. In mindestens zwei der vier Mühldorf Sublager gab es kein fließendes Wasser. Das wenig vorhandene Wasser musste sparsam verwendet werden, nur zum Kochen.

Die tragische Entwicklung

Aufgrund der mangelnden Waschmöglichkeiten waren viele Gefangene mit Ungeziefer infiziert. Dies führte zur schnellen Ausbreitung von Typhus und Fleckfieber. Ein SS-Arzt aus dem KZ Dachau hob die Quarantänebestimmungen für das Waldlager auf, damit die Arbeiten am Bau der Bunker fortgesetzt werden konnten. Die medizinische Versorgung lag in der Verantwortung des OT.

Die Mühldorf Lager unterschieden sich von anderen Konzentrationslagern, da die SS außerhalb der Wachmannschaften nicht mehr für die Lager verantwortlich war. Die Art und Geschwindigkeit der Arbeit, der Bau des Lagers, die Verpflegung und medizinische Versorgung sowie die Auswahl der nicht mehr arbeitsfähigen Häftlinge fielen in die Zuständigkeit des OT.

Das Ende der Tragödie

Gegen Ende des Krieges plante der Leiter des SS-Reichssicherheitshauptamts (RSHA), Kaltenbrunner, die Ermordung der jüdischen Gefangenen in Kaufering und Mühldorf. Der Plan mit dem Codenamen Aktion Wolkenbrand konnte jedoch nicht umgesetzt werden, da die meisten Gefangenen aus den Mühldorf Lagern evakuiert wurden. Ein Transport mit der Bahn führte nach Poing im Landkreis Ebersberg bei München. Bei diesem Transport wurden etwa 200 Gefangene getötet oder verletzt, entweder aufgrund eines Fehlers der Wachen, die die Gefangenen zu früh freigelassen haben, oder möglicherweise aufgrund eines tieffliegenden Luftangriffs. Die verbliebenen Gefangenen wurden Ende April 1945 oder Anfang Mai 1945 in Seeshaupt, Tutzing und Feldafing am Starnberger See befreit.

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Die Gefangenen des Mühldorf Camps haben unvorstellbares Leid ertragen. Ihre Geschichten und die Erinnerung an diese dunkle Zeit dürfen nicht vergessen werden.

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